Ingenieurnachwuchs stärken: ZBI will früher ansetzen
Das berufliche Gymnasium für Ingenieurwissenschaften ist aus der Sicht des ZBI ist ein moderner, interdisziplinärer und bundesweit zugänglicher Weg in ein technisches Studium.
Bundestagsgespräch über ein bundesweites Profil "Ingenieurtechnik" am beruflichen Gymnasium
Berlin, 15. September 2026 - Deutschland braucht dringend mehr Ingenieurinnen und Ingenieure. Doch während die Herausforderungen von Energiewende, Klimaanpassung, Infrastruktur und industrieller Transformation wachsen, gehen die Studienanfängerzahlen in wichtigen technischen Bereichen teilweise zurück. Der Zentralverband der Ingenieurvereine ( ZBI ) will deshalb bereits in der Schule ansetzen. Über die ZBI-Initiative für ein bundesweit verfügbares Profil "Ingenieurtechnik" im beruflichen Gymnasium sprach ZBI-Präsident Wilfried Grunau am 9. September im Deutschen Bundestag mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Breilmann (CDU). "Wir dürfen nicht erst auf den Ingenieurmangel reagieren, wenn er längst Realität ist. Wir müssen früher ansetzen und jungen Menschen zeigen, wie spannend und vielfältig Ingenieurwissenschaften sind", erklärte Grunau.
Der ZBI schlägt vor, das eigenständige Profil "Ingenieurtechnik" im beruflichen Gymnasium bundesweit zu etablieren. Im Mittelpunkt steht dabei ausdrücklich nicht die frühe Festlegung auf eine einzelne Fachrichtung wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Bauwesen. Stattdessen sollen Schülerinnen und Schüler ein breites Verständnis für ingenieurwissenschaftliches Denken und Arbeiten entwickeln. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik und Projektarbeit sollen miteinander verbunden werden. "Wir wollen nicht, dass Jugendliche schon mit 15 oder 16 Jahren entscheiden müssen, welcher Ingenieurzweig der richtige für sie ist", so Grunau. "Sie sollen zunächst die ganze Welt der Ingenieurwissenschaften kennenlernen, Zusammenhänge verstehen und erleben, wie unterschiedliche Disziplinen gemeinsam Lösungen entwickeln." Damit greift der ZBI zugleich die veränderte Realität moderner Ingenieurarbeit auf. Die großen Zukunftsaufgaben sind interdisziplinär: Energiewende, Klimaanpassung, Smart City, autonome Systeme oder Digitalisierung lassen sich nicht mehr isoliert aus einer einzelnen Fachrichtung heraus bearbeiten.
Bund und Länder gemeinsam in die Verantwortung
Der ZBI sieht seinen Vorschlag ausdrücklich nicht als Forderung nach einem Bundesgesetz. Schule ist Ländersache. Vielmehr geht es darum, Bund und Länder zusammenzubringen und einen gemeinsamen Prozess anzustoßen.
Konkret schlägt der ZBI ein wissenschaftlich begleitetes Bund-Länder-Modellprogramm "Berufliches Gymnasium Ingenieurtechnik" vor. Dabei soll erprobt und evaluiert werden, wie groß die Nachfrage bei Schülerinnen und Schülern ist, wie sich das Angebot auf Studienwahl und Studienerfolg auswirkt und wie der Übergang in Ingenieurstudiengänge verbessert werden kann.
Im Gespräch mit Michael Breilmann ging es deshalb insbesondere darum, wie die Initiative in die politische Diskussion eingebracht und gemeinsam mit Bund, Ländern, Hochschulen und Wirtschaft weiterentwickelt werden kann.
"Es ist wichtig, junge Menschen schon früh für Technik und Ingenieurwissenschaften zu begeistern. Angesichts der großen Aufgaben, vor denen wir zukünftig stehen, brauchen wir mehr junge Menschen die Lust haben Lösungen zu entwickeln. Die ZBI-Initiative setzt hier an der richtigen Stelle an, diesen Weg möchte ich gerne weiter unterstützen," so Michael Breilmann.
"Wir müssen früher anfangen"
Für ZBI-Präsident Wilfried Grunau ist klar: "Wenn wir wollen, dass junge Menschen sich für ein Ingenieurstudium entscheiden, müssen wir ihnen bereits in der Schule zeigen, was Ingenieurinnen und Ingenieure leisten und wie sie an Lösungen für die Zukunft arbeiten. Ingenieurtechnik kann dafür einen wichtigen neuen Zugang schaffen."
Der ZBI will die Initiative nun weiter in den politischen Dialog einbringen und gemeinsam mit interessierten Ländern, Hochschulen und weiteren Partnern konkrete Umsetzungsmöglichkeiten ausloten. Ziel ist ein moderner, interdisziplinärer und bundesweit zugänglicher Weg in die Ingenieurwissenschaften.
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Der Zentralverband der Ingenieurvereine (ZBI) e.V. vertritt als Spitzenverband Ingenieurinnen und Ingenieure aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Eisenbahnwesen, Geodäsie und Geoinformatik, Telekommunikation, Umwelttechnik sowie Wasserbau und Wasserwirtschaft. Mit seiner Expertise begleitet der ZBI die Digitalisierung und Modernisierung der öffentlichen Verwaltung und setzt sich für effiziente, zukunftsfähige Infrastrukturprozesse ein.
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